Ein erster Schritt

Die Parlamentarische Staatssekretärin Karin Roth aus dem Bundesverkehrsministerium drückte sich sehr diplomatisch aus, als sie dem Würzburger Bahnhof „ein gewisses Alter und einen gewissen Charme“ bescheinigte. Dass er endlich runderneuert und modernisiert werden müsse, habe sich aber auch bis ins Verkehrsministerium nach Berlin herumgesprochen. Und tatsächlich: Bereits Anfang nächsten Jahres soll es damit losgehen, zunächst mit der energetischen Sanierung des Empfangsgebäudes. Dafür stehen Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung bereit. Neben wärmedämmenden Fenstern und neuen Heizungs- und Lüftungsanlagen werden zunächst ein neues Reisezentrum gebaut und der Eingang zum Bahnhof sowie die Zugänge zu den Bahnsteigen in die Gebäudemitte verlegt. Noch mehr zur Sache gehen soll es im Anschluss an die Modernisierung der Empfangshalle. Für die „Ertüchtigung der Verkehrsstation“ sind mindestens vier Jahre Bauzeit und Kosten von bis zu 30 Millionen Euro vorgesehen. Darüber entschieden ist noch nicht. Die Würzburger freuen sich indessen schon über den ersten Schritt.

Hey, du

Auch eine Woche nach der Eröffnung reibt sich wohl mancher noch verwundert die Augen. Da hat nach dem Scheitern des Hotelturms und der Einkaufsgalerie nun doch tatsächlich etwas geklappt. Jetzt hat auch Würzburg seinen Ikea. Dem Neubert gefällt das anscheinend gar nicht. Deshalb hat das Möbelhaus eine kleine Anzeige in der Main-Post geschaltet. Neben einem Imbus-Schrauber von Ikea lässt Neubert den dicken Ottfried Fischer als Werbefigur dazu sagen: „Nur noch hey du … oder lieber Grüß Gott!“ Einmal abgesehen vom fehlenden Fragezeichen, lässt das XXXL-Möbelhaus vor allem eine gewisse Größe vermissen. Lasst doch diejenigen sich freuen, die bereits seit vielen Jahren gern die über einhundert Kilometer langen Fahrten nach Fürth-Poppenreuth und Ludwigsburg auf sich genommen haben, statt beim Neubert „Grüß Gott“ zu sagen. Außerdem profitieren doch auch die Neubert-Kunden vom neuen Ikea. Zumindest jene in Schweinfurt, die – etwa in Folge des Schwedeneinfalls in Würzburg? – einen riesigen Neubert ins Gewerbegebiet gestellt bekommen haben. Allerdings werden die nun wohl auch nicht mehr nach Heidingsfeld fahren.

Unser Schmuckkästchen

Zum Welterbestatus des Würzburger Residenz waren dieser Tage gleich mehrere Aussagen zu vernehmen – wohl angesichts der Aberkennung des UNESCO-Titels in Dresden wie auch der baulichen Eingriffe durch die beschlossene Straßenbahntrasse. Aus der Pressestelle der Stadt hieß es, die Residenz als eine von 33 Welterbestätten in Deutschland, sei das „Schmückkästchen im Herzen der Stadt“. Und für den vermeintlichen Fußball-Fan Gerhard Weiler, den Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Würzburg, hebt der Welterbetitel die Residenz „in die Champions League der Denkmäler“. Peter Oettinger, Leiter der Würzburger Congress- und Tourismus-Zentrale, macht darauf aufmerksam, dass die Residenz durch ihr Prädikat „Welterbe“ enorme Besucherströme generiere. Diesen Titel will die Stadt auf keinen Fall durch die an der Residenz entlangführende Straßenbahntrasse gefährden. Und so sagt Georg Wagenbrenner, der Pressesprecher der Stadt Würzburg, folgerichtig: „Unser Welterbe Residenz ist mitunter die wichtigste Außenwerbung für die Stadt. Da brauchen wir gar nicht drüber zu reden.“ (Die Zitate stammen aus der Main-Post)

Aus Leighton soll Hubland werden

Über diese Entscheidung kann man nur froh sein. Eine Projektgruppe aus Stadträten, Vertretern der Universität, Geschichtswerkstatt und Bürgervereinigung Frauenland sowie dem Stadtheimatpfleger Hans Steidle hat sich einstimmig auf einen Namen für das Gelände der ehemaligen Leighton Barracks geeinigt – und zwar Hubland, wie schon die alte Flurbezeichnung des Areals lautete. Damit sind solche Vorschläge wie Skyline, für die die meisten Leser der Main-Post bei einer Wahl gestimmt hatten, oder Männerland zum Glück vom Tisch. Endgültig wird der Stadtrat am 23. Juli über die Umbenennung entscheiden.

Der König in der Pop-Provinz

Am 21. August des Jahres 1988 war es gewesen, als der jetzt verstorbene König der Pop-Musik Michael Joseph Jackson ein viel umjubelteds Open-Air-Konzert auf den Mainwiesen gegeben hat. „43000 Menschen bevölkerten am Konzert-Sonntag die Mainwiesen, viele Fans ohne Tickets saßen in den umliegenden Weinbergen, nur um den Popstar live zu erleben“, erinnert die Main-Post an jenen Tag vor bald 21 Jahren. Und Tilman hätte vom verstorbenen Sänger gerne gewusst: „Haben sie Dir bei Deinem Auftritt wirklich weisgemacht, Du würdest nicht in der Pop-Provinz Würzburg, sondern in Frankfurt spielen?“

Das Wichtigste auf Seite 1

„Das Leben geht weiter.“

Diese bekannte Weisheit, nun auch von Basketballer Dirk Nowitzki ausgesprochen, befand die Main-Post als die Nachricht des Tages und setzte sie als Überschrift zusammen mit einem großformatigen Foto des Würzburger Sportlers folgerichtig auf die Seite eins. Dort ist außerdem zu lesen, dass sich Dirk Nowitzki auf der Pressekonferenz seines Werbepartners, einer Bank, mit der er seinen Werbevertrag um drei weitere Jahre verlängerte, „überraschend locker präsentierte“. Ferner erklärte Nowitzki, dass er sich der Verantwortung stellen werde, wenn sich bewahrheiten sollte, dass seine inhaftierte Ex-Verlobte ein Kind von ihm erwarte. Das Wichtigste aber ist: „Ich bin wieder wohlauf.“ Woraus sich doch alles eine Nachricht machen lässt.

Reserven für die Durststrecke

Die Wirtschaftskrise hat auch den Würzburger Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer heftig getroffen. Nach einem Umsatzrückgang von 10 Prozent im vergangenen Jahr und millionenschweren Verlusten war der Vorstandsvorsitzende Albrecht Bolza-Schünemann kürzlich zurückgetreten. Der neue Vorstandschef Helge Hansen prognostizierte auf der Hauptversammlung des börsennotierten Unternehmens für das laufende Jahr einen weiteren Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent und kündigte einen Sparkurs an. Diese „Kapazitätsanpassungen an einen mittelfristig kleineren Markt“ sehen auch eine Personalreduzierung von 7500 auf rund 7000 Mitarbeiter vor. Ein gutes finanzielles Polster soll dem weltweit drittgrößten Druckmaschinenbauer helfen, diese durch starke Auftragsrückgänge verursachte Durststrecke besser zu überstehen. Koenig & Bauer verfügt über liquide Mittel von 108 Millionen Euro. Im Verhältnis zum aktuellen Börsenwert von 157 Millionen Euro sind das knapp 69 Prozent – einer der höchsten Werte börsennotierter mittelständischer Unternehmen.

Tag der Entscheidung

„Bleibt der Stadtrat standhaft, trotz der immensen Kosten für die neue Straßenbahn?“, fragt Main-Post-Redakteur Andreas Jungbauer vor der entscheidenden Sitzung des Stadtrats am heutigen Montag. Dann geht es um 4,6 Kilometer Straßenbahngleise durchs Frauenland zum Hubland und vor allem um Investitionskosten von 120 Millionen Euro, von denen die Stadt 33 Millionen Euro selbst aufbringen müsste. Hinzu käme eine noch nicht näher bezifferte zweistellige Millionensumme für städtebauliche Nebenkosten. Nach Worten des Geschäftsführers der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) geht es um „ein Projekt von Jahrzehnten“.

Angesichts dieser Dimensionen ist es geradezu verwunderlich, dass es im Vorfeld der Abstimmung lediglich Diskussionen über die Trassenführung der neuen Linie 6 gegeben hat, weniger aber über die grundsätzliche Notwendigkeit einer Straßenbahnlinie ins Hubland. Vermutlich werden die Bedenken erst dann lautstark geäußert, wenn sich der Stadtrat für die Linie entschieden hat und die Bürger allmählich feststellen, was da auf sie zukommt.

update: Der Stadtrat hat sich in großer Einmütigkeit für die Straßenbahntrasse entlang der Residenz ausgesprochen. Die Linie 6 wird folglich vom Barbarossaplatz über Theaterstraße entlang der Balthasar-Neumann-Promenade und durch die Ottostraße, hinauf an der Sieboldstraße, über den Frauenland-Platz und die Zu-Rhein-Straße zum Wittelsbacher Platz führen und von dort über Zwerchgraben und Maurmeierstraße zu Galgenberg, Universität und später zum Gelände der Leighton Barracks. Erstmals fahren soll die neue Straßenbahn im Jahr 2017.

Aufregende Kunst

„Es ist aufregend, dass es geklappt hat.“

Derart freute sich Marlene Lauter, Leiterin des Museums im Kulturspeicher, zur Eröffnung einer außergewöhnlichen Ausstellung in ihrem Hause. Achtzig Arbeiten von Paul Klee und Lyonel Feininger geben Auskunft über das Schaffen zweier Maler, die die Kunst des 20. Jahrhunderts geprägt haben – und die neben ihrem Todesjahr 1956 auch vieles andere gemeinsam hatten. Bis zum 6. September bleibt ausreichend Zeit, sich diese „aufregende“ Kunstausstellung nicht entgehen zu lassen.

Lahmgelegt

„Durch Spaziergänge um den Berliner Ring den Verkehr lahm zu legen, ist irgendwie eine nette Demo-Idee“, fand Tilman in der Main-Post angesichts der Demonstrationen der Schüler und Studenten in der vergangenen Woche.. „Allerdings kamen mir Zweifel, was so ein Protest mit Bildungspolitik zu tun haben soll.“