Archiv für Juli 2009

Gold aus dem Meer

„Seine Sympathiewerte im Raum Würzburg sind extrem hoch. Dort ist er eine starke Figur, und ich kenne keinen, der ihn nicht gut findet.“

Das Lob von Karina Freude gilt dem Würzburger Schwimmer Thomas Lurz, den die Sportmanagerin aus Düsseldorf professionell vermarktet. „Bei einem Sportler auf dem hohen Niveau eines Thomas Lurz liegt der Betrag, um ein Jahr mit ihm werben zu dürfen, bei einer hohen fünfstelligen bis niedrigen sechsstelligen Summe.“ Das ist der 29 Jahre alte Langstreckenschwimmer allemal wert. Bei den momentan ausgetragenen Schwimm-Weltmeisterschaften hat er im Meer vor Ostia sowohl über fünf Kilometer als auch im Zehn-Kilometer-Rennen gewonnen und damit seine WM-Titel sieben und acht geholt. Ganz herzlichen Glückwunsch!

Scheibenwischer

„Warum wurden die Fenster am Kulturspeicher noch nie geputzt?“

Das ist eine gute Frage, die Grünen-Stadträtin Karin Miethaner-Vent in der Stadtratsitzung stellte. Dass sie darauf keine Antwort bekam, war vielsagend. Sollte es, wie sie gehört habe, tatsächlich zutreffen, dass die Scheibenwischer nicht an die Fenster herankommen würden, weil das vom Architekten nicht bedacht oder vorgesehen war. In jedem Fall ist das Glas hinter den Lamellen in den vergangenen sieben Jahren (!) nicht gereinigt worden. Einen Putz haben die Scheiben in jedem Fall nötig, denn auch am Kulturspeicher herrscht eine anscheinend nicht beherrschbare Taubenplage, wegen der die Stadtratsitzung unter anderem angesetzt war.

Die Provinz lässt grüßen

Lange nichts gehört von der Provinz auf Weltniveau. Da kommt die Pressemeldung von jovoto gerade recht. Auf jener Internetplattform hatte die Würzburg AG einen Ideenwettbewerb ausgerufen für eine Image-Werbekampagne für die Stadt. Die besten Arbeiten sollen dem Würzburger Stadtrat am 31. Juli im Vogel Convention Center vorgestellt werden, und der soll dann entscheiden, ob Ideen oder Ansätze in das Würzburger Stadtmarketing-Konzept übernommen werden.

Und dann noch ein Buchtip zum Thema: Das „Provinzlexkion“ von Henning Ahrens liefert „alles, was Sie schon immer über die Provinz wissen wollten, in genau 274 Stichworten“ und ist „ein Lese-, Entdeckungs- und Erinnerungsbuch für die vom Land und die aus der Stadt. Denn Provinz ist nicht nur ein Ort, sondern auch eine Haltung.“

Für einen Euro

„Wir werden mit Leistung überzeugen.“

Das entgegnet Jürgen Scheller den Kritikern des neuen Ein-Euro-Shops, der am Samstag im ehemaligen Arena-Haus in der Domstraße eröffnet. Wie, bitte schön, hat man sich denn diese Leistung vorzustellen? Der Geschäftsführer von Schum Euroshop versichert jedenfalls: „Das wird alles andere als ein Ramschladen“. Was denn dann?

Miss Verständnis

Ein hochkarätige Jury hat im Kiliani-Festzelt die neue „Miss Würzburg“ gekürt. Die heißt Julia Höhn, ist Industriekauffrau und kommt aus – Wilhermsdorf, „und das liegt neben Unterulsenbach irgendwo in Mittelfranken“, wie die Main-Post schreibt. Was nirgendwo zu lesen war: Wie kann eine junge Frau „Miss Würzburg“ werden, wenn sie weder in der Stadt geboren ist noch hier zumindest wohnt?

Das Panorama der Stadt genießen

„Wird unsere schöne Stadt vom ungeliebten Forum am Markt geprägt?“

Das fragt Leserbriefschreiber Heinz K. in der Main-Post, der Würzburg durch den Großteil der Leserbriefe in ein schlechtes Licht gesetzt sieht. Diesen „Nörglern“ rät er: „Genießen Sie doch nur ein Stündchen in der blühenden Anlage unterhalb der Alten Mainbrücke das Panorama der Stadt: Fluss, Schiffe, Alte Mainbrücke, Festung und Käppele. Welche Stadt kann auch solch ein Panorama bieten?“

Null Jahre Erfahrung

Da kommt doch einfach so schwedisches Möbelhaus daher, mit „0 Jahren Erfahrung in Würzburg“, wie der Neubert XXXL in einem weiteren Motiv seiner Kleinanzeigenkampagne anmerkt und stolz auf die eigenen „133 Jahre Würzburg-Erfahrung“ verweist. Wie hatte es doch Kurt Tucholsky so schön gesagt: „Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.“

Ein erster Schritt

Die Parlamentarische Staatssekretärin Karin Roth aus dem Bundesverkehrsministerium drückte sich sehr diplomatisch aus, als sie dem Würzburger Bahnhof „ein gewisses Alter und einen gewissen Charme“ bescheinigte. Dass er endlich runderneuert und modernisiert werden müsse, habe sich aber auch bis ins Verkehrsministerium nach Berlin herumgesprochen. Und tatsächlich: Bereits Anfang nächsten Jahres soll es damit losgehen, zunächst mit der energetischen Sanierung des Empfangsgebäudes. Dafür stehen Mittel aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung bereit. Neben wärmedämmenden Fenstern und neuen Heizungs- und Lüftungsanlagen werden zunächst ein neues Reisezentrum gebaut und der Eingang zum Bahnhof sowie die Zugänge zu den Bahnsteigen in die Gebäudemitte verlegt. Noch mehr zur Sache gehen soll es im Anschluss an die Modernisierung der Empfangshalle. Für die „Ertüchtigung der Verkehrsstation“ sind mindestens vier Jahre Bauzeit und Kosten von bis zu 30 Millionen Euro vorgesehen. Darüber entschieden ist noch nicht. Die Würzburger freuen sich indessen schon über den ersten Schritt.

Hey, du

Auch eine Woche nach der Eröffnung reibt sich wohl mancher noch verwundert die Augen. Da hat nach dem Scheitern des Hotelturms und der Einkaufsgalerie nun doch tatsächlich etwas geklappt. Jetzt hat auch Würzburg seinen Ikea. Dem Neubert gefällt das anscheinend gar nicht. Deshalb hat das Möbelhaus eine kleine Anzeige in der Main-Post geschaltet. Neben einem Imbus-Schrauber von Ikea lässt Neubert den dicken Ottfried Fischer als Werbefigur dazu sagen: „Nur noch hey du … oder lieber Grüß Gott!“ Einmal abgesehen vom fehlenden Fragezeichen, lässt das XXXL-Möbelhaus vor allem eine gewisse Größe vermissen. Lasst doch diejenigen sich freuen, die bereits seit vielen Jahren gern die über einhundert Kilometer langen Fahrten nach Fürth-Poppenreuth und Ludwigsburg auf sich genommen haben, statt beim Neubert „Grüß Gott“ zu sagen. Außerdem profitieren doch auch die Neubert-Kunden vom neuen Ikea. Zumindest jene in Schweinfurt, die – etwa in Folge des Schwedeneinfalls in Würzburg? – einen riesigen Neubert ins Gewerbegebiet gestellt bekommen haben. Allerdings werden die nun wohl auch nicht mehr nach Heidingsfeld fahren.