Archiv für April 2009

Und schon wieder verblüht

Das zarte Pflänzchen, im Jahr 2016 die Landesgartenschau in Würzburg auszurichten, blühte nur kurz. Nach der ersten Präsentation im März, bei der drei Mitbewerber ausgeschieden und damit nur noch Würzburg und Bayreuth im Rennen geblieben waren, keimte noch Hoffnung. Dann besuchte die Kommission der Landesgartenschau am 2. April das Gelände der ehemaligen Leighton Barracks „auf Augenhöhe mit der Festung“, so das Würzburger Gartenschau-Motto, – und gab Bayreuth schließlich den Vorzug. Da waren die Würzburger Blütenträume auch schon ausgeträumt.

Main-Post-Redakteur Andreas Jungbauer zählte am Tag der Entscheidung zwar zehn gute Gründe „Was für Würzburg spricht“ auf – „ökologische Stadtentwicklung mit nachhaltigem  Nutzen für die Bürger“, „Erschließung des Quartiers mit einer (klimafreundlichen) Straßenbahn“ und so weiter –, doch die Kommission wollte diesen wohl nicht folgen. Zu einem ähnlichen Schluss kam auf der gleichen Zeitungsseite übrigens auch Tilman, der an das Motto der Bayreuther Bewerbung „Zu Gast bei Wilhelmine von Bayreuth“ erinnerte: „Da kann Würzburg leider nicht  mithalten. Denn dieses Motto klingt doch wie eine nette Einladung zu Kaffee und Kuchen.“

Braucht Würzburg einen Slogan?

Dabei hatte der Würzburger Kabarettist Frank-Markus Barwasser doch bereits alles gesagt, was dazu zu sagen ist: „Ich find’s nicht provokant, ich find’s nicht originell, ich find’s auch nicht ironisch. Ich find’s einfach nur bescheuert”, äußerte er sich zum umstrittenen Werbeslogan „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“ in einem Interview mit der Main-Post

Dieser Tage kamen nun Vertreter von Stadt, Landkreis, Wirtschaft, Tourismus und Gastonomie bei einem Business Campus (Geht das eigentlich auch auf Deutsch?) zu einem ähnlichen Ergebnis, wenngleich sie mit  „inakzeptabel“, „erklärungsbedürftig“ und „geschäftsschädigend“ andere wertende Worte wählten. Der Vertreter der ideenreichen Werbeagentur machte hingegen eine „einseitige Stimmungsmache“ gegen den „Hammer-Slogan“ aus. Der müsse ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber bislang sei noch nichts besseres gekommen. 

Das sah wohl die Runde genauso, fand zwar auch nicht sogleich die werbenden Worte, aber einen Ausweg gemäß der bewährten Formel „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis.“ Dieser neuformierte Arbeitskreis sieht seine Aufgabe nun darin, „zu retten, was zu retten ist“. Vielleicht stellt er sich auch einmal die Frage, ob Würzburg überhaupt einen Werbeslogan braucht.

Unterirdisch gut

„Das ist ein bedeutender Schritt auf dem mühseligen Weg zu einem attraktiven Stadtbild.“ 

Mit diesen Worten bezeichnete Hans Werner Loew, Fraktionschef der SPD im Würzburger Stadtrat, den Einbau von Würzburgs erstem unterirdischen Glascontainer, der in der Karmelitenstraße zu bestaunen ist. Von den drei versenkten Glascontainern ragen dort nur noch die Einwurfschächte aus dem gepflasterten Boden.

Wohin mit dem Einkaufszentrum?

Während der Einzelhandelsverband mit Blick auf den geplanten Bau einer Einkaufsgalerie auf dem sogenannten Mozart-Areal noch glaubt, in dieser Angelegenheit gehe etwas voran, schlummert der Bebauungsplan seit bald drei Jahren in städtischen Schubladen. Da kommt die Diskussion um die geplante Straßenbahnlinie gerade recht. Denn so lange nicht klar ist, wo deren Trasse verläuft, lässt sich schlecht ein Verkehrsgutachten für die weitere Planung des Mozart-Areals erstellen.

Angesichts dieser Umstände fühlt sich auch die Bayerische Schlösserverwaltung, die laut Main-Post das „Damoklesschwert“ in der Hand hält, nicht zur Eile gedrängt. Gern will sie bei der Suche nach einem Kompromiss behilflich sein. Eines ist aber wohl schon klar: Die Bebauung gegenüber der Residenz würde in jedem Fall um einige Nummern kleiner ausfallen als ursprünglich vorgesehen. Damit dürfte das Einkaufszentrum an dieser Stelle gescheitert sein.

Dazu passt, was Heike Göbel in der Main-Post schreibt: „Offiziell wird im Rathaus noch nicht über Alternativen gesprochen. Inoffiziell hört man allerdings, dass die Suche nach neuen Standorten für ein Einkaufszentrum, wie zum Beispiel das WVV-Gelände in der Bahnhofstraße, längst begonnen hat.“

Ins Hochhaus zieht die Kultur ein

Eine geradezu spektakuläre Wendung zeichnet sich für das ehemalige Ämterhochhaus in der Augustinerstraße ab. Durch die anhaltenden Diskussionen über den geplanten Neubau scheinbar zermürbt, trat der Investor des Wohn- und Bürohauses nun den Rückzug an. Dass im selben Moment eine Gruppe Würzburger Unternehmer ihr Interesse anmeldet, das denkmalgeschützte Hochhaus zu erwerben, es komplett sanieren und damit den bereits vom Stadtrat beschlossenen Abriss verhindern zu wollen, darf als großer Glücksfall gewertet werden.

Ein Gewinn für die Stadt dürfte auch das Nutzungskonzept darstellen, das die Unternehmergruppe im Stadtrat vorstellte und das zudem vom Verschönerungsverein Würzburg ausdrücklich unterstützt wird. Neben einem Restaurant und Café im oberen Stockwerk, wie es schon für den Neubau geplant war, soll vor allem die Kultur ins Hochhaus einziehen. Zwei Stockwerke mit Bibliothek, großem und kleinen Lesesaal und Büroräumen sind für das neue Würzburger Literaturhaus vorgesehen. Darunter soll auf drei Etagen ein Kulturkaufhaus entstehen, wie es beispielsweise aus Berlin bekannt ist. Das wäre eine enorme Aufwertung – nicht nur für die Augustinerstraße, sondern für ganz Würzburg.

Übrigens: Schon einmal aufs Datum geschaut!