Archiv für April 2009

Ein neues Niveau

Herrschaftlich kommt sie schon lange nicht mehr daher, die Kaiserstraße. Jetzt ist „die Realisierung einer Neugestaltung der ehemaligen Prachtstraße in greifbare Nähe gerückt“, berichtet das Volksblatt.

Modern und progressiv“ soll die neue Kaiserstraße künftig daherkommen. Der siegreiche Wettbewerbsentwurf sieht einen Straßenraum auf einem neugepflasterten, ebenerdigen Niveau vor. Die Straßenbahn, die Fußgänger und die Auslagen der Geschäfte sollen durch unterschiedliche Oberflächenbeläge voneinander abgeteilt werden. Einheitliche Glasdächer und Markisen über den Geschäften sollen zudem zu einem durchgängigen Erscheinungsbild beitragen. Die Kosten für die 2010 beginnende Umgestaltung sind mit 1,4 Millionen Euro veranschlagt.

neun7 auf eins

Schon der brillanten Fotos wegen hatte neun7, das Siebentagemagazin der Main-Post, einen Preis beim renommierten Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung verdient. In der Kategorie „Magazine“ landete neun7, das sich „aus hohem journalistischen Anspruch und lokalem Service“ (Main-Post) auszeichnet, sogar auf Platz eins. Da gratuliert man gern.

Das seit zwei Jahren publizierte Magazin erscheint jeweils donnerstags als sogenanntes Abonnement-Magazin im Postleitzahlengebiet 97. Als solches scheint es sich allerdings nicht durchgesetzt zu haben, denn zumindest in Würzburg wird neun7 kostenlos gestreut.

Unbedingt sehenswert

Fotos und Filme gibt es bei Nachlese nicht zu betrachten. Dafür an dieser Stelle aber die Empfehlung, unbedingt hier einmal im Online-Archiv der Main-Post vorbeizuschauen, um wirklich sehenswerte historische Fotos und Filme aus dem Würzburg des vorigen Jahrhunderts anzusehen.

Über Würzburger Endwürfe

Interessante Ansichten und Einsichten sind mitunter beim Blick in die Leserbriefspalten der Main-Post zu gewinnen. „Wofür wurde eigentlich der Martktplatz neu gestaltet?“, fragt eine Leserin und setzt sogleich zu einer Schelte an: „Eine Pflasterwüste ist daraus geworden. Nichts Grünes, nichts Schönes ist zu sehen. Bänke wurden aufgestellt, wuchtige Blöcke ohne Lehnen. Man muss eine zweite Person finden, damit man Rücken an Rücken sitzen kann.“

Im Fall des geplanten Baus eines Geschäftshauses in der Spiegelstraße fragt eine andere Leserbriefschreiberin: „Ist das Würzburger Logik? Wenn an der hinteren Straße notgedrungen hässliche Nachkriegs-Zweckbauten stehen, dann sollte man an die vordere Straße – 60 Jahre später – auch was Hässliches hinbauen?“ 

Allgemeine Gültigkeit für Bauvorhaben jeglicher Art darf beanspruchen, was sie anschließend schreibt: „Kritik kann gar nicht früh genug kommen, da ,Entwurf‘ oft überraschend schnell ,Endwurf‘ ist.“ Und: „Ist das Kind im Brunnen, dann kommt der vorwurfsvolle Ruf an die schlauen Durchblicker in dieser unserer Kulturstadt, nicht mutig genug gewesen zu sein!“

Das hat ein weiterer Würzburger beherzigt und ebenfalls einen Leserbrief verfasst, der sich mit dem bis 2016 geplanten Bau der vom Barbarossaplatz zum Hubland führenden Straßenbahnlinie 6 beschäftigt. Er bezweifelt, dass sich auf dieser Strecke dann „Fahrgäste mit neuem Ticket tummeln“ und „dass alle abgekoppelten Stammfahrgäste, die bisher mit dem Bus fuhren, dann zu Umsteigern werden müssen“. Seine Befürchtung: „Die Semmelstraße wird mit Sicherheit nicht aufgewertet, denn die Fahrgäste fahren vorbei.“ Schlimmer noch: „Würzburgs Innenstadt wird zur Einbahnstraße.“ Wer in den Parkhäusern dann keinen Platz fände, würde gleich weiter nach Schweinfurt fahren.

Im Mittelfeld

„Frankenmetropole punktet mit Bruttoinlandsprodukt, Hochqualifizierten und Lehrstellen, liegt bei der Jobversorgung aber hinten.“

Das Ergebnis eines sogenannten Regionalrankings unter bundesweit 409 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland liest sich für Würzburg zunächst einmal ernüchternd, denn die Stadt landet dabei lediglich auf Platz 190. In Bayern belegt Würzburg auch nur Platz 85 unter den 96 Kreisen und kreisfreien Städten.

Die Standortstudie berücksichtigt ökonomische und strukturelle Indikatoren wie Kaufkraft, Produktivität, Ausbildungsplatzdichte und Kriminalität. Während Würzburg bei Jugendarbeitslosigkeit (bundesweit Platz 13) und Wirtschaftskraft (36.) sowie auch bei den Hochqualifizierten (62.) und den Ausbildungsplätzen (68.) bundesweit mit vorn liegt, schneidet die Stadt bei Produktivität (278.), der Anzahl der Straftaten (320.) sowie bei öffentlichen Schulden (373.) und bei der Arbeitsplatzversorgung, sprich: dem Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (404.), äußerst schlecht ab.

Rein statistisch betrachtet mag an diesen Zahlen vielleicht alles richtig sein. Aber was sollen sie eigentlich aussagen?

Kiliansbrunnen kommt zurück

Vor zwei Jahren war der Kiliansbrunnen auf dem Bahnhofsvorplatz abgebaut worden. Seitdem werden die steinerne Brunnenschale und die Bronzestatue aufwendig restauriert. Im Frühsommer soll der „neue“ alte Brunnen wieder vor dem Bahnhof stehen.

„Hoffentlich ist dann noch Geld fürs Wasser da“, stänkert Tilman in der Main-Post.

Viel Neues aus der Provinz

„Würzburg ist die perfekte Mischung aus Provinz und Großstadt, Bauernhof und Hochhaussiedlung.“ Nein, dieser Ausspruch stammt nicht von der Würzburg AG – würde den Erfindern und energischen Verfechtern des Werbeslogans „Würzburg. Provinz auf Weltniveau“ aber wohl gefallen. (Die Urheberrechte des Eingangssatzes gehören dem Filmemacher Oliver Kienle. Der gebürtige Dettelbacher und Diplomand der Filmakademie Ludwigsburg dreht hier ab Mitte April seinen Debütfilm, ein Jugend-Drama, und erklärte mit jenen Worten, warum seine Wahl auf Würzburg als Drehort gefallen ist.)

Nicht gefallen hat der Würzburg AG hingegen die Diskussion über ihren umstrittenen Werbeslogan, der eine „hitzige Debatte entfacht“ (Main-Post) hatte. Zudem seien die Ergebnisse einer Diskussionsrunde „einseitig dargestellt“ worden, woraufhin die Main-Post der Würzburg AG eine Zeitungsspalte Platz eingeräumt, in der diese nun unter anderem sagten, dass niemand der Kritiker sich die Mühe mache, das Konzept hinter dem Slogan genau anzuschauen – um gleich darauf selbstkritisch einzugestehen, das man eben dieses Konzept von Seiten der Würzburg AG bislang zu wenig kommuniziert habe.

Kommunizieren will die Würzburg AG nun aber. Nicht mit dem Würzburger Volk, sondern mit 2500 Kreativen beim Internet-Portal jovoto.de auf einem „radikal neuen Weg der Ideenkreation“ (Eigenwerbung jovoto). „Ein Spruch wie ,Provinz auf Weltniveau‘ ist da ein Türöffner“, glaubt die Würzburg AG. Als Nachweis führt sie den – na, mal ehrlich: in die Hose gegangenen – bei jovoto.de veranstalteten Logowettbewerb für den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier an.

Überhaupt nicht gefallen wird der Würzburg AG wahrscheinlich das Vorpreschen der Würzburger Werbeagentur Gerryland, die auf einer viertelseitigen Anzeige in der Main-Post vom Samstag schreibt „Wir können das Wort ,Provinz‘ nicht mehr hören“ und mit „Würzburg. Wissen, Wein und Weltkultur“ nun ihrerseits einen Sloganvorschlag für Würzburg präsentiert.

Weitgehend zufrieden

„Die Bürger und Mitarbeiter sind mit dem Bürgerbüro weitgehend zufrieden.“

Die Bilanz von Oberbürgermeister Georg Rosenthal ein Jahr nach dem Start des elektronischen Bürgerbüros im Würzburger Rathaus klingt „relativ bescheiden“, wie die Main-Post in ihrem Beitrag „Ein Geburtstag ohne Grund zum Feiern“ schreibt. Das „bundesweit einmalige Vorzeigeprojekt“, so nannte es die damalige Oberbürgermeisterin Pia Beckmann beim Projektstart, sollte die Verwaltung revolutionieren, viele Millionen Euro (Personal-)Kosten einsparen und dem Bürger ermöglichen, mit einem einzigen Behördengang gleich mehrere Anliegen erledigen zu können. Doch von der erwarteten Kostenersparnis ist dem Zeitungsbericht zufolge noch keine Rede. Und auch das Ziel, das die Bürger die meisten Behördengänge ab 2011 übers Internet erledigen können, werde, so Rosentahl, „voraussichtlich nicht erreicht“.

Abgeschaltet

Dieses AKW ist jetzt gewissermaßen vom Netz genommen worden: Das Autonome Kulturzentrum Würzburg auf dem Bürgerbräu-Gelände in der Frankfurter Straße hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt. Noch stärker als die mehreren zehntausend Euro Schulden bei Bank, Stadt und Mitarbeitern wog, wie Johannes Burow vom AKW selbstkritisch feststellt, zuletzt das Fehlen an engagierten Mitarbeitern und Ideen.

Von einer „Gegenkultur“ mit neuen künstlerischen und politischen Formen und Inhalten, die das AKW seit seiner Gründung 1982 sein wollte, sei schon lange nichts mehr zu spüren gewesen. Kulturreferent Muchtar Al Ghusain spricht von einem „gefühlten und psychologischen Verlust“; ein tatsächlicher Verlust fürs städtische Kulturleben sei „nicht messbar“, weil der Besuch zuletzt völlig eingebrochen war.

Schlechtes Klima fürs Radfahren

Kaum scheint die Sonne, treten die Radfahrer verstärkt in die Pedale. Entlang des Mains waren die Radwege stadtauswärts auch an den Osterfeiertagen ausgiebig befahren. Der Anblick der radelnden Menschen erfreut insbesondere den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), der bereits seit 30 Jahren für das Radfahren wirbt. Der Würzburger Kreisverband des ADFC moniert in einem Gespräch mit der Main-Post allerdings, dass sich die Stadt gegenüber Radfahrern nicht sehr aufgeschlossen zeige.

Die Vorsitzenden des Kreisverbands führen den letzten Fahrradklimatest von 2005 an, als Würzburg unter 21 getesteten Städten (mit einer Einwohnerzahl zwischen 100 000 und 200 000 Menschen) nur auf dem letzten Platz gelandet war. Seitdem habe sich bedauerlicherweise zu wenig getan. Neue Radwege würden nur zögerlich angelegt und wenn, dann seien diese meist nicht ohne Gefahr für die Radfahrer. Als Beispiel führt der ADFC die zu schmalen Radwege zwischen Friedensbrücke und Berliner Platz an, die den Radlern bei auftretenden Hindernissen keine Ausweichmöglichkeiten ließen.

Erwünscht sind hingegen ausgewiesene, durchgängige Wege, die es den Radfahrern ermöglichen, zügig voranzukommen, ohne Passanten zu gefährden oder selbst vom Autoverkehr gefährdet zu werden. In dieser Angelegenheit wünscht sich der ADFC ein Umdenken im Rathaus. Man müsse begreiflich machen, dass mehr Fahrradfahrer in einer Stadt eine Steigerung von Lebensqualität bedeute.