Archiv für März 2009

Hoffen auf eine blühende Zukunft

In Zukunft wird Würzburg vielleicht etwas Schönes blühen. Denn die Stadt bewirbt sich mit dem Areal der Leighton Barracks um die Ausrichtung der Landesgartenschau im Jahr 2016. Auf dem sogenannten Konversionsgelände soll – so das Motto – „auf Augenhöhe mit der Festung“ ein „ökologischer Dreiklang von Wohnen, Wissenschaft und Freizeit“ entstehen.

Die erste Hürde ist schon einmal genommen: Bei der Präsentation des Konzepts in München ließ Würzburg die Mitbewerber aus Fürstenfeldbruck, Neuburg an der Donau und dem Landkreis Miltenberg hinter sich. Noch mit im Rennen ist Bayreuth. Am 2. April wird die Vergabekommission entscheiden, ob Würzburg zum zweiten Mal nach 1990 Schauplatz einer Landesgartenschau sein wird.

Impressionisten im Kulturspeicher

Der Welt am Sonntag waren die Berliner Impressionisten im Kulturspeicher eine ganze Seite wert. Anfang des Jahres hatte die Zeitung bereits auf diesen „Höhepunkt des Kulturjahres“ hingewiesen. Das ist er für Würzburg zweifellos. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die prägenden Maler der Künstlervereinigung Berliner Secession – an ihrer Spitze das Dreigestirn mit Max Liebermann, Max Slevogt und Louis Corinth, das „nach französischem Vorbild die atmosphärisch geprägte Kunst des Augenblicks einführte, die das Alltägliche in einer Vielfalt an Stilen und Themen aus Großstadtleben und Naturdarstellungen in farbenprächtigen Kompositionen festhielt“.

Die in jedem Fall sehenswerte Ausstellung zeigt etwa 60 aus der Nationalgalerie Berlin stammende Werke: luftige Stadtansichten und sommerliche Wasserstimmungen, lichtdurchflutete Sommergärten und psychologische Porträtstudien. Daneben hat der Kulturspeicher aus den Beständen des eigenen Hauses eine kleine Parallel-Veranstaltung organisiert. Dort werden neben Werken Max Slevogts, der einige Zeit in Würzburg lebte, und einer Arbeit Liebermanns aus eigenem Besitz an die 30 Bilder weniger bekannter Maler gezeigt.

Bis zum 1. Juni besteht noch die Möglichkeit, sich diese Bilder nicht entgehen zu  lassen.

Rote Zahlen im Druck

Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise bekommt nun auch ein Würzburger Traditionsunternehmen schmerzlich zu spüren.Die Koenig & Bauer AG (KBA), drittgrößter Druckmaschinenhersteller der Welt, ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. In der Folge des millionenschweren Konzernverlusts ist der Vorstandsvorsitzende Albrecht Bolza-Schünemann zurückgetreten.

Das börsennotierte Unternehmen verzeichnete 2008 einen Umsatzrückgang von 10,1 Prozent auf 1,531 Milliarden Euro, der Verlust beläuft sich auf 85 Millionen Euro. Weit einschneidender ist der im Vergleich zum Vorjahr um 19,7 Prozent gesunkene Auftragseingang. Das wirkt sich deutlich aus im Auftragsbestand, der sich zum Stichtag am 31. Dezember 2008  bereits um 36,7 Prozent verringert hatte. Für die KBA-Mitarbeiter sind das schlechte Aussichten: Nach einem Abbau von rund 400 Arbeitsplätzen im Jahr 2008 soll die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahresende in die Nähe von 7000 sinken.

Der Mann von Welt

Da hat jemand die Latte verdammt hoch gelegt. Die Zeitschrift will „Impulse für Gesellschaft, Politik, Hochschule, Ökonomie und Kultur in Stadt & Region“ geben. Das ist ein verdammt ehrgeiziges Ziel. Der Schöpfer und Herausgeber der zweimonatlich erscheinenden Publikation – zum Glück „noch kostenlos“, wie auf dem Titel vermerkt – verlautbart aber noch viel mehr: „DER KESSENER … macht Würzburg zur Marke!“

Dann wollen wir doch einmal lesen, was uns Bernhard A.W. Kessener (M.A.) – so steht es im Impressum – zu sagen hat. Sein einleitender Kommentar auf Seite drei beginnt mit den Sätzen „Welch ein Lichtblick, Zaha Hadid (nebenbei bemerkt: wie viele/wenige international derart renommierte Architektinnen christlichen Glaubens gibt es?) wird in Würzburg bauen. Das sind doch Chancen dieser Stadt, einer von vielen möglichen Dialogen.“ Und einige Zeilen weiter fragt er ernsthaft: „Weshalb sollte Würzburg nicht eine Brücke für die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen unserer Republik bauen?“

Wenn der Kommentator gleich darauf „Meisterdenker Michel Foucault“ heranzieht und versucht, ins Philosophische ein- oder doch besser: abzutauchen, schlägt das Pendel vollends aus. Sollte der Leser in der Lage sein, ihm gedanklich zu folgen, dann wird er auf den vom Kommentator gegeißelten „Bildungsbrei“ und die „Worthülsen“ stoßen. Beides trifft exakt das, was den Leser auch im zweiten Teil des Textes erwartet.

Unterzeichnet ist der Kommentar mit „Gentilhome B.A.W.“. Dieses Wort schreibt sich, das sei angemerkt, mit einem doppelten „m“. Aber das ficht den „Mann von Welt“, der Würzburg zur Marke machen will, vermutlich ebensowenig an.

Ein Plädoyer für die Altstadt

Ein engagiertes wie auch fundiertes Plädoyer für den Erhalt des ehemaligen Mozart-Gymnasiums hat Hans Steidle in Buchform vorgelegt. „Ich möchte eine gründlichere Diskussion in der Stadt, damit man das frühere Mozart-Gymnasium nicht erst abreißt und hinterher sagt: Wenn wir das alles vorher gewusst hätten, hätten wir es stehen lassen“.

Die Fakten und Hintergründe zum Mozart-Areal trägt Steidle auf über 160 Seiten zusammen. Mit „Vom Kaiserhof zum Konsumtempel. Eingriffe in die Würzburger Altstadt“, erschienen im Echter Verlag (ISBN 978-3-429-03068-1, 14,80 Euro), legt der promovierte Historiker und Lehrer am Mozart- und Schönborn-Gymnasium ein außerordentlich wichtiges Buch vor. Denn es bietet neben der Diskussion um das Mozart-Areal auch grundsätzliche Denkanstöße und Kriterien für die künftige Innenstadtgestaltung. In diesem Rahmen analysiert Steidle die beiden gescheiterten Versuche, am Bahnhof und auf dem Mozart-Areal große Einkaufszentren in der Innenstadt zu errichten, und er findet und lobt ansprechende Beispiele gelungener Stadtarchitektur in Würzburg.

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Was zählt, ist das Wie

Am 16. März macht die Main-Post auf ihrer Franken-Seite mit einem Bericht über Holger und Sarah, die beiden Kandidaten aus Unterfranken bei Deutschland sucht den Superstar“, groß auf: mit vierspaltigem Text, farbigem Foto und der Überschrift „Streit auf dem Kandidatensofa“.

Die Leute wollten das lesen. Das meint jedenfalls der Leseranwalt der Main-Post zu wissen. Wenige Tage zuvor hatte er einem Leser, der sich über die hervorgehobene Berichterstatung jener kritikwürdigen Samstagabendshow in seiner Zeitung beschwert hatte, entsprechend geantwortet. Leseranwalt Anton Sahlender gestand in dem Beitrag, die „Abneigung“ sogar verstehen zu können, allerdings: „In der Redaktion treffen überwiegend Zustimmungen zu DSDS ein.“ Das macht es dem Anwalt der Leser, der zugleich stellvertretender Chefredakteur der Main-Post ist, nicht gerade leicht.

„Warum also sollte sich ein Medium der Superstarsuche journalistisch verweigern?“, stellte der Leseranwalt die Frage und lieferte wenige Zeilen später selbst die Antwort: „Was zählt, ist das Wie des journalistischen Umgangs damit.“ Eben. Vielleicht hätte ja auch eine einspaltige Meldung die Nachricht vom Weiterkommen der beiden „Lokalhelden“ verbreiten können. Oder war am Wochenende außer jener „Show, in der sich Zeitgeist spiegelt“ (Main-Post) nichts wirklich Berichtenswertes geschehen?

Im unzerstörten Würzburg

Die Vorstellung ist äußerst reizvoll. „Was wäre, wenn Würzburg damals verschont geblieben wäre?“, fragte Barbara Markus am 15. März um die Mittagszeit im Bayern 2 Hörfunk.

Wäre das „Juwel des Barock und Rokoko“, wenn es nicht am 16. März 1945 durch Luftangriffe fast vollständig zerstört worden wäre, möglicherweise Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland geworden? Wäre die unversehrte, mittelalterliche Stadt mit ihren Patrizierhäusern und engen Gassen, mit ihren Baudenkmälem und Kunstwerken zu einem Anziehungspunkt für Besucher geworden?

Ein fiktiver Spaziergang durch das unzerstörte Würzburg lässt Gassen und Häuser zumindest vor dem geistigen Auge des Radiohörers wieder erstehen. Der Beitrag, der zun Nachhören leider (noch) nicht als Podcast herunterzuladen ist, versuchte aber auch der Frage nachzugehen, welche Probleme sich durch die Anforderungen einer modernen Gesellschaft im „alten“ Würzburg ergeben würden: Wie würde es sich heute in der Stadt von einst leben lassen? Es wäre zu schön, das noch einmal erfahren zu können.

Der Stadtrat berät sich selbst

Der Stadtrat hat beschlossen, eine „Kommission für Stadtbild und Architektur“ einzusetzen, die den Stadtrat bei städtebaulichen und architektonischen Entscheidungen beraten soll. Zudem ist sie gehalten, sich bei ihren Empfehlungen am Erhalt des Stadtbildes in seiner historischen Form zu orientieren.

Dem aus 19 Personen zusammengesetzten Gremium gehören neben Oberbürgermeister Georg Rosenthal, Stadtbaurat Christian Baumgart, Kulturreferent Muchtar Al Ghusain und acht Stadträten aus allen Fraktionen auch der designierte Stadtheimatpfleger Hans Steidle an sowie fünf Architekten von außerhalb Unterfrankens, ein freischaffender bildender Künstler und ein Kunsthistoriker, die noch nicht benannt sind.

Die Mehrheit in der Kommision haben die Stadträte mitsamt Oberbürgermeister und Referenten, so dass sich der Stadtrat nun quasi selbst beraten kann“, unkt Herbert Kriener in seiner Glosse Würzburger Woche in der Main-Post.

Mozartfest ist was Tolles

„Der Würzburger sagt a) es gibt keine Karten und b) wenn’s Karten gibt, sind sie zu teuer. Damit möchte ich grundsätzlich aufräumen. Das schaff’ ich freilich nicht von heute auf morgen, aber ein Anfang ist schon 2009 gemacht. Ich möchte, dass ganz Würzburg sagt: ,Mozartfest ist was Tolles, da geh ich hin.‘“

So äußert sich der neue Leiter des Würzburger Mozartfestes, Christian Kabitz, in einem Interview mit Ralph Heringlehner in der Main-Post. Kabitz, der seit 30 Jahren Kirchenmusikdirektor an der Würzburger Kirche St. Johannis, unter anderem auch Leiter der Würzburger Bachtage ist und das Würzburger Mozartfest seit September vergangenen Jahres leitet, wirft bereits einen Ausblick auf das Mozartfest 2010, wenn es „in Richtung auf eine zeitgemäße Mozart-Interpretation in allen Facetten“ geht, mit Mitternachtskonzert, Wandelkonzerten in der Residenz und einem Fest im Park. Es „muss ein Festival für die Stadt Würzburg sein. Es muss im Stadtbild präsent sein.“ Und: „Unsere Stadt muss spüren: ,Es ist Mozartfest.‘“

Im Leporello stimmt Susanna Khoury auf das Mozartfest 2009 vom 29. Mai bis 5. Juli ein. Für ihren Ausblick nimmt sie das bei der offiziellen Präsentation des Mozartfestes verwendete Schlussbild eines Air-France-Flugzeugs beim Steigflug auf: „Ob das ,neue‘ Mozartfest beim Start gut wegkommt, den Horizont im Auge behält, zwischenlanden muss, einen gigantischen Höheflug hinlegt, aus der Vogelperspektive agiert oder eine Punktlandung erfährt, das alles steht noch in den Sternen.“

Ein neuer Aufreger

In seinen Würzburger Ansichten macht Main-Post-Redakteur Holger Welsch mit dem geplanten Hochhaus in der Augustinerstraße einen neuen städtebaulichen „Aufreger“ aus. Zur Erinnerung: Das baufällige städtische Ämterhochhaus aus dem Jahr 1930 war vor vier Jahren wegen Einsturzgefahr geräumt worden. In der Folge beschloss der damalige Stadtrat, das denkmalgeschützte Haus abzureißen und an seiner Stelle einen Neubau zu setzen.

Den Gegnern des neuen Hochhauses, voran der Würzburger Verschönerungsverein und sein Vorsitzender Professor Stefan Kummer, ist der Siegerentwurf des von der Stadt ausgeschriebenen Architektenwettbewerbs mit seinen knapp 34 Metern um zwei Meter zu hoch geraten. Der Verein sieht dadurch die Silhouette der Altstadt gestört. (Aufregung hätte übrigens auch der misslungene Name Tricyan Tower verdient.)

„Reichlich spät kommt das Protestgeschrei“, kommentiert die Zeitung. Gelegenheit zum Widerspruch hätte es im Vorfeld gegeben, weshalb der Verschönerungsverein „mit seiner Aktion auf der Zielgeraden der Planung seinen Ruf als notorischer Verhinderer“ untermauere. Gleichwohl dürfe man sich über den Protest des Verschönerungsvereins aber auch nicht wundern. Der geplante Neubau ist durchaus angreifbar. Die Grundsatzentscheidung für ein neues Hochhaus sei hinter verschlossenen Türen gefällt worden. „Dort“, schreibt der Kommentator, „wurde auch ein Investor abgeschmettert, der den Altbau sanieren wollte, das Landesamt für Denkmalschutz fühlte sich übergangen, auf ein Zweitgutachten zum Zustand des Hauses wurde beharrlich verzichtet.“