Da kommt doch einfach so schwedisches Möbelhaus daher, mit „0 Jahren Erfahrung in Würzburg“, wie der Neubert XXXL in einem weiteren Motiv seiner Kleinanzeigenkampagne anmerkt und stolz auf die eigenen „133 Jahre Würzburg-Erfahrung“ verweist. Wie hatte es doch Kurt Tucholsky so schön gesagt: „Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.“
Archiv für die Kategorie „Wirtschaft“
Hey, du
Auch eine Woche nach der Eröffnung reibt sich wohl mancher noch verwundert die Augen. Da hat nach dem Scheitern des Hotelturms und der Einkaufsgalerie nun doch tatsächlich etwas geklappt. Jetzt hat auch Würzburg seinen Ikea. Dem Neubert gefällt das anscheinend gar nicht. Deshalb hat das Möbelhaus eine kleine Anzeige in der Main-Post geschaltet. Neben einem Imbus-Schrauber von Ikea lässt Neubert den dicken Ottfried Fischer als Werbefigur dazu sagen: „Nur noch hey du … oder lieber Grüß Gott!“ Einmal abgesehen vom fehlenden Fragezeichen, lässt das XXXL-Möbelhaus vor allem eine gewisse Größe vermissen. Lasst doch diejenigen sich freuen, die bereits seit vielen Jahren gern die über einhundert Kilometer langen Fahrten nach Fürth-Poppenreuth und Ludwigsburg auf sich genommen haben, statt beim Neubert „Grüß Gott“ zu sagen. Außerdem profitieren doch auch die Neubert-Kunden vom neuen Ikea. Zumindest jene in Schweinfurt, die – etwa in Folge des Schwedeneinfalls in Würzburg? – einen riesigen Neubert ins Gewerbegebiet gestellt bekommen haben. Allerdings werden die nun wohl auch nicht mehr nach Heidingsfeld fahren.
Reserven für die Durststrecke
Die Wirtschaftskrise hat auch den Würzburger Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer heftig getroffen. Nach einem Umsatzrückgang von 10 Prozent im vergangenen Jahr und millionenschweren Verlusten war der Vorstandsvorsitzende Albrecht Bolza-Schünemann kürzlich zurückgetreten. Der neue Vorstandschef Helge Hansen prognostizierte auf der Hauptversammlung des börsennotierten Unternehmens für das laufende Jahr einen weiteren Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent und kündigte einen Sparkurs an. Diese „Kapazitätsanpassungen an einen mittelfristig kleineren Markt“ sehen auch eine Personalreduzierung von 7500 auf rund 7000 Mitarbeiter vor. Ein gutes finanzielles Polster soll dem weltweit drittgrößten Druckmaschinenbauer helfen, diese durch starke Auftragsrückgänge verursachte Durststrecke besser zu überstehen. Koenig & Bauer verfügt über liquide Mittel von 108 Millionen Euro. Im Verhältnis zum aktuellen Börsenwert von 157 Millionen Euro sind das knapp 69 Prozent – einer der höchsten Werte börsennotierter mittelständischer Unternehmen.
So schlimm ist’s ja gar nicht
Wenn nur dieser „Pessimismus in den Medien“ nicht wäre. Gleich mehrere Redner auf der Veranstaltung „Wege aus der Wirtschaftskrise“ von Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer stießen in dieses Horn, etwa wenn es um die Kreditvergabe an Unternehmen gehe. „So schlimm, wie man das derzeit in den Zeitungen liest, ist das nicht“, sagte zum Beispiel Rudolf Fuchs, und der ist immerhin der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mainfranken.
Nicht allzusehr zu fürchten vor den Auswirkungen der Krise hat sich scheinbar die Stadt Würzburg. Deren Kämmerer Christian Schuchardt versprühte sogar – wenn auch vorsichtigen – Optimismus. Denn Würzburgs Schwäche, womit er den geringen Anteil am produzierenden Gewerbe meinte, würde in der Krise zur Stärke mutieren, weil der Rückgang der Gewerbesteuer nicht so bedrohlich wie anderswo ausfalle. Dem in den Medien verbreiteten Pessimismus jedenfalls will der Kämmerer seinen Leitspruch entgegensetzen, wonach es der beste Weg sei, die Krise zu meistern, indem man sie gestalte. Ja, wenn es so einfach ist.
Rote Zahlen im Druck
Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise bekommt nun auch ein Würzburger Traditionsunternehmen schmerzlich zu spüren.Die Koenig & Bauer AG (KBA), drittgrößter Druckmaschinenhersteller der Welt, ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. In der Folge des millionenschweren Konzernverlusts ist der Vorstandsvorsitzende Albrecht Bolza-Schünemann zurückgetreten.
Das börsennotierte Unternehmen verzeichnete 2008 einen Umsatzrückgang von 10,1 Prozent auf 1,531 Milliarden Euro, der Verlust beläuft sich auf 85 Millionen Euro. Weit einschneidender ist der im Vergleich zum Vorjahr um 19,7 Prozent gesunkene Auftragseingang. Das wirkt sich deutlich aus im Auftragsbestand, der sich zum Stichtag am 31. Dezember 2008 bereits um 36,7 Prozent verringert hatte. Für die KBA-Mitarbeiter sind das schlechte Aussichten: Nach einem Abbau von rund 400 Arbeitsplätzen im Jahr 2008 soll die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahresende in die Nähe von 7000 sinken.