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Ins Hochhaus zieht die Kultur ein

Eine geradezu spektakuläre Wendung zeichnet sich für das ehemalige Ämterhochhaus in der Augustinerstraße ab. Durch die anhaltenden Diskussionen über den geplanten Neubau scheinbar zermürbt, trat der Investor des Wohn- und Bürohauses nun den Rückzug an. Dass im selben Moment eine Gruppe Würzburger Unternehmer ihr Interesse anmeldet, das denkmalgeschützte Hochhaus zu erwerben, es komplett sanieren und damit den bereits vom Stadtrat beschlossenen Abriss verhindern zu wollen, darf als großer Glücksfall gewertet werden.

Ein Gewinn für die Stadt dürfte auch das Nutzungskonzept darstellen, das die Unternehmergruppe im Stadtrat vorstellte und das zudem vom Verschönerungsverein Würzburg ausdrücklich unterstützt wird. Neben einem Restaurant und Café im oberen Stockwerk, wie es schon für den Neubau geplant war, soll vor allem die Kultur ins Hochhaus einziehen. Zwei Stockwerke mit Bibliothek, großem und kleinen Lesesaal und Büroräumen sind für das neue Würzburger Literaturhaus vorgesehen. Darunter soll auf drei Etagen ein Kulturkaufhaus entstehen, wie es beispielsweise aus Berlin bekannt ist. Das wäre eine enorme Aufwertung – nicht nur für die Augustinerstraße, sondern für ganz Würzburg.

Übrigens: Schon einmal aufs Datum geschaut!

Der Stadtrat berät sich selbst

Der Stadtrat hat beschlossen, eine „Kommission für Stadtbild und Architektur“ einzusetzen, die den Stadtrat bei städtebaulichen und architektonischen Entscheidungen beraten soll. Zudem ist sie gehalten, sich bei ihren Empfehlungen am Erhalt des Stadtbildes in seiner historischen Form zu orientieren.

Dem aus 19 Personen zusammengesetzten Gremium gehören neben Oberbürgermeister Georg Rosenthal, Stadtbaurat Christian Baumgart, Kulturreferent Muchtar Al Ghusain und acht Stadträten aus allen Fraktionen auch der designierte Stadtheimatpfleger Hans Steidle an sowie fünf Architekten von außerhalb Unterfrankens, ein freischaffender bildender Künstler und ein Kunsthistoriker, die noch nicht benannt sind.

Die Mehrheit in der Kommision haben die Stadträte mitsamt Oberbürgermeister und Referenten, so dass sich der Stadtrat nun quasi selbst beraten kann“, unkt Herbert Kriener in seiner Glosse Würzburger Woche in der Main-Post.

Ein neuer Aufreger

In seinen Würzburger Ansichten macht Main-Post-Redakteur Holger Welsch mit dem geplanten Hochhaus in der Augustinerstraße einen neuen städtebaulichen „Aufreger“ aus. Zur Erinnerung: Das baufällige städtische Ämterhochhaus aus dem Jahr 1930 war vor vier Jahren wegen Einsturzgefahr geräumt worden. In der Folge beschloss der damalige Stadtrat, das denkmalgeschützte Haus abzureißen und an seiner Stelle einen Neubau zu setzen.

Den Gegnern des neuen Hochhauses, voran der Würzburger Verschönerungsverein und sein Vorsitzender Professor Stefan Kummer, ist der Siegerentwurf des von der Stadt ausgeschriebenen Architektenwettbewerbs mit seinen knapp 34 Metern um zwei Meter zu hoch geraten. Der Verein sieht dadurch die Silhouette der Altstadt gestört. (Aufregung hätte übrigens auch der misslungene Name Tricyan Tower verdient.)

„Reichlich spät kommt das Protestgeschrei“, kommentiert die Zeitung. Gelegenheit zum Widerspruch hätte es im Vorfeld gegeben, weshalb der Verschönerungsverein „mit seiner Aktion auf der Zielgeraden der Planung seinen Ruf als notorischer Verhinderer“ untermauere. Gleichwohl dürfe man sich über den Protest des Verschönerungsvereins aber auch nicht wundern. Der geplante Neubau ist durchaus angreifbar. Die Grundsatzentscheidung für ein neues Hochhaus sei hinter verschlossenen Türen gefällt worden. „Dort“, schreibt der Kommentator, „wurde auch ein Investor abgeschmettert, der den Altbau sanieren wollte, das Landesamt für Denkmalschutz fühlte sich übergangen, auf ein Zweitgutachten zum Zustand des Hauses wurde beharrlich verzichtet.“

Architektonisches Glanzlicht

Ein „architektonisches Glanzlicht“ will das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung mit dem Bau eines neuen Technikums in Würzburg setzen. Institutsleiter Professor Dr. Gerhard Sextl sagte der Main-Post, der Neubau solle „im Hinblick auf zukunftsweisende Gebäudetechnik“ dem Fraunhofer-Anspruch gerecht werden.

In jedem Fall ist ein spektakuläres Gebäude zu erwarten, denn der siegreiche Entwurf stammt vom Londoner Architekturbüro Zaha Hadid. Die international renommierte Architektin steht für einen eigenwilligen Baustil, der gerade in Würzburg für Aufsehen sorgen wird. Der Baubeginn des direkt neben dem Backsteinbau an der Luitpoldstraße enstehenden Gebäudes ist für das Frühjahr 2010 geplant.