„Würzburg ist wahrlich kein Hort der Avantgarde.“
Diese Feststellung trifft Eva-Suzanne Bayer in der nummer siebenundvierzig. In ihrem Beitrag zum 20jährigen Bestehen des „wohl einzigen wassertauglichen Kunstvereins“ – dessen Geschichte sich seit 1995 in der Arte Noah abspielt, einem ehemaligen Frachtkahn, der jetzt im Alten Hafen liegt – geht sie auf die Anfänge ein: „Als Wolfgang Hülsen den Kunstverein vor zwanzig Jahren aus der harten Scholle der hiesigen Kunstszene buchstäblich herausstampfte, stand Zeitgenösisches nicht in der Gunst des Publikums. Einen Kunstverein, wie er in anderen Städten schon seit 150 Jahren Usus war, gab es hier nicht. … Wohl bemühten sich die Leiter der Städtischen Galerie immer wieder, den Anschluss an die Moderne in ihrem Programm nicht ganz zu verpassen. Aber es waren immer nur die längst Arrivierten, die ihre documenta Kassel, ihre Biennale Venedig, ihren Artikel in der Kunstzeitschrift art, ihren internationalen Durchbruch hinter sich hatten. Experimente waren rar. Und damit auch die Möglichkeit, die eigenen Kunstkriterien zu überprüfen und gegebenerweis gar zu revidieren … Damit war der Zug der Zeit ganz schön an den Würzburgern vorbeigerumpelt.“
Erst als der obdachlose Kunstverein im Kunstschff Arte Noah seßhaft wurde, konnte er „ohne Rücksicht auf jeweilige Gastgeber seine eigentliche Aufgabe erfüllen: das Publikum mit Arbeiten konfrontieren, die nicht sofort und unbedingt auf Wohlwollen stoßen“, schreibt Eva-Suzanne Bayer. „Ein Kunstverein muss den Mut und die Freiheit besitzen, auch Fragewürdiges, Experimentelles, Ungewöhnliches, Unerprobtes zu präsentieren, das erst einmal Kontroversen auslöst.“ Das darf man gern als Einladung lesen: Die Ausstellungen auf der Arte Noah sind dienstags bis sonntags zwischen 15 und 18 Uhr zu besichtigen. Und natürlich noch: herzlichen Glückwunsch zum Zwanzigsten.