Wer selbst schon einmal bei einer Sportveranstaltung versucht hat, das schnelle und meist unvorhersehbare Geschehen mit Kamera und Teleobjektiv einzufangen, der wird seit Jahren die hervorragenden Aufnahmen im Sportteil der Main-Post anerkennend zu würdigen wissen, die unten rechts den Vermerk Foto: Fabian Frühwirth tragen. Jetzt ist der Sportredakteur vom Verband Deutscher Lokalzeitungen mit dem ersten Preis für ein Foto vom chinesischen Tischtennisprofi Ling Wei Chao ausgezeichnet worden. Auch bei dieser Aufnahme hatte Fabian Frühwirth den entscheidenen Moment erwischt. Herzlichen Glückwunsch.
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ausgeliefert
Unter main.de hat die Main-Post ein individualisiertes Internetportal gestartet, „für über 1600 Orte und über 250 Gemeinden aus Mainfranken“, wie die Zeitung schreibt. Die Main-Post will auf diesem Weg „Informationen, Bilder und Termine für jeden Ort im Verbreitungsgebiet individuell ausliefern“. Aus dem letzten Wort klingt noch der klassische Vertriebsweg für Zeitungen durch. Doch den verlässt die Main-Post damit ebenso wie die bisherige journalistische Berichterstattung. Denn die Leser sind aufgerufen, das Angebot ihrer Gemeinden „mitzugestalten“, indem sie Informationen, Berichte, Fotos und Videos beisteuern.
Über Irrwege, auch die der Liebe
Wer am vergangenen Samstag die Titelseite der Main-Post betrachtete, durfte einen Moment lang irrtümlich glauben, Boulevard Würzburg sei wieder auferstanden. Wir erinnern uns: Der Versuch, ein lokales Boulevard-Blatt zu etablieren, war vor einigen Jahren gescheitert. Und nun das: „Exklusiv-Interview mit dem König von Mallorca“ Jürgen Drews kündigt die Würzburger Tageszeitung an – und das zudem im Ressort Kultur. Im Franken-Teil ist, so der nächste Hinweis für den Leser, über „Sarah Kreuz auf dem Sprung zum Superstar“ bei DSDS zu lesen.
Die wichtigste Nachricht zum Wochenende aber findet sich – eingerahmt zwischen der Meldung vom Abbau von 8000 Stellen bei Schaeffler und dem Verdachtsfall der „Schweingegrippe“ in Unterfranken – über vier Spalten mitten auf der Seite eins: „Wirbel um Dirk Nowitzki“. Da hat die amerikanische Bundespolizei die vermeintliche Freundin „unseres“ Dirks, der in Dallas Basketball spielt, festgenommen, weil sie unter Betrugsverdacht steht. Das ist nicht sehr schön, hat wiederum mit Dirk Nowitzki ja nicht wirklich direkt etwas zu tun und hätte, wenn es denn unbedingt sein muss, auch auf die Seite „Aus aller Welt“ gepasst. (Da ist allerdings der Platz schon für eine Britin vergeben, die erfolgreich gegen Aufpreise für BHs in Übergrößen gekämpft hat.) Also hat die Main-Post die Gelegenheit genutzt und zum Aufmacher gleich noch einen Standpunkt gesetzt, der den „Star in schwerer Phase“ sieht und größtes Verständnis für den 30 Jahre alten Basketballer aufbringt, der „in seinem jungen Leben viel über Spitzensport gelernt, aber vermutlich wenig über Irrwege der Liebe“.
Geflügelte Worte
Von der Debatte um einen Stadtslogan – den eigentlich wer in Auftrag gegeben hat? – färbt es allmählich ab. Jedenfalls bei der Main-Post, die ihre Beilage zur Wiedereröffnung des renovierten Kaisersaals in der Residenz ideenreich mit „Kulturerbe auf Weltniveau“ betitelt.
Während der Leser die Zeitungsbeilage so durchblättert, stößt er auf Seite 22 auf das Original des Niveaus. Aber, was ist das? Unter dem mit „Würzburger Landhausstil“ betitelten, vom Hofgarten aus aufgenommenen Foto der Residenz, hat die Würzburg AG doch den Slogan ein wenig, aber nicht unwesentlich abgeändert: Würzburg ist nicht mehr nur „Provinz auf Weltniveau“, sondern „Die Provinz auf Weltniveau“.
Diesem Alleinstellungsanspruch folgend verkündet die Unterzeile zudem, die Stadt sei „Genial eigensinnig. Herrlich gegensätzlich. Erfrischend ehrlich“. Da hat sich der eigensinnige Werbetexter ja mal richtig erfrischend auslassen dürfen, ehrlich. Sei noch die Frage gestattet, ob die Würzburg AG eigentlich mit einem Slogan für Würzburg werben darf. Oder braucht es dafür gar keine Genehmigung der Stadt?
neun7 auf eins
Schon der brillanten Fotos wegen hatte neun7, das Siebentagemagazin der Main-Post, einen Preis beim renommierten Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung verdient. In der Kategorie „Magazine“ landete neun7, das sich „aus hohem journalistischen Anspruch und lokalem Service“ (Main-Post) auszeichnet, sogar auf Platz eins. Da gratuliert man gern.
Das seit zwei Jahren publizierte Magazin erscheint jeweils donnerstags als sogenanntes Abonnement-Magazin im Postleitzahlengebiet 97. Als solches scheint es sich allerdings nicht durchgesetzt zu haben, denn zumindest in Würzburg wird neun7 kostenlos gestreut.
Der Mann von Welt
Da hat jemand die Latte verdammt hoch gelegt. Die Zeitschrift will „Impulse für Gesellschaft, Politik, Hochschule, Ökonomie und Kultur in Stadt & Region“ geben. Das ist ein verdammt ehrgeiziges Ziel. Der Schöpfer und Herausgeber der zweimonatlich erscheinenden Publikation – zum Glück „noch kostenlos“, wie auf dem Titel vermerkt – verlautbart aber noch viel mehr: „DER KESSENER … macht Würzburg zur Marke!“
Dann wollen wir doch einmal lesen, was uns Bernhard A.W. Kessener (M.A.) – so steht es im Impressum – zu sagen hat. Sein einleitender Kommentar auf Seite drei beginnt mit den Sätzen „Welch ein Lichtblick, Zaha Hadid (nebenbei bemerkt: wie viele/wenige international derart renommierte Architektinnen christlichen Glaubens gibt es?) wird in Würzburg bauen. Das sind doch Chancen dieser Stadt, einer von vielen möglichen Dialogen.“ Und einige Zeilen weiter fragt er ernsthaft: „Weshalb sollte Würzburg nicht eine Brücke für die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen unserer Republik bauen?“
Wenn der Kommentator gleich darauf „Meisterdenker Michel Foucault“ heranzieht und versucht, ins Philosophische ein- oder doch besser: abzutauchen, schlägt das Pendel vollends aus. Sollte der Leser in der Lage sein, ihm gedanklich zu folgen, dann wird er auf den vom Kommentator gegeißelten „Bildungsbrei“ und die „Worthülsen“ stoßen. Beides trifft exakt das, was den Leser auch im zweiten Teil des Textes erwartet.
Unterzeichnet ist der Kommentar mit „Gentilhome B.A.W.“. Dieses Wort schreibt sich, das sei angemerkt, mit einem doppelten „m“. Aber das ficht den „Mann von Welt“, der Würzburg zur Marke machen will, vermutlich ebensowenig an.
Was zählt, ist das Wie
Am 16. März macht die Main-Post auf ihrer Franken-Seite mit einem Bericht über Holger und Sarah, die beiden Kandidaten aus Unterfranken bei „Deutschland sucht den Superstar“, groß auf: mit vierspaltigem Text, farbigem Foto und der Überschrift „Streit auf dem Kandidatensofa“.
Die Leute wollten das lesen. Das meint jedenfalls der Leseranwalt der Main-Post zu wissen. Wenige Tage zuvor hatte er einem Leser, der sich über die hervorgehobene Berichterstatung jener kritikwürdigen Samstagabendshow in seiner Zeitung beschwert hatte, entsprechend geantwortet. Leseranwalt Anton Sahlender gestand in dem Beitrag, die „Abneigung“ sogar verstehen zu können, allerdings: „In der Redaktion treffen überwiegend Zustimmungen zu DSDS ein.“ Das macht es dem Anwalt der Leser, der zugleich stellvertretender Chefredakteur der Main-Post ist, nicht gerade leicht.
„Warum also sollte sich ein Medium der Superstarsuche journalistisch verweigern?“, stellte der Leseranwalt die Frage und lieferte wenige Zeilen später selbst die Antwort: „Was zählt, ist das Wie des journalistischen Umgangs damit.“ Eben. Vielleicht hätte ja auch eine einspaltige Meldung die Nachricht vom Weiterkommen der beiden „Lokalhelden“ verbreiten können. Oder war am Wochenende außer jener „Show, in der sich Zeitgeist spiegelt“ (Main-Post) nichts wirklich Berichtenswertes geschehen?