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Klare Worte zum Provinz-Slogan

Die erlösende Nachricht stand in der Main-Post: „Oberbürgermeister Georg Rosenthal geht deutlich auf Distanz zum ,Würzburg – Die Provinz auf Weltniveau‘-Kampagnen-Vorschlag der Würzburg AG. Der Stadtrat habe nie den Auftrag erteilt, ein solches Stadtmarketingkonzept zu entwickeln, teilt der OB mit.“

Damit reagierte  Oberbürgermeister Rosenthal auf jene 300 Seiten dicke Dokumentation, mit der die Würzburg AG dem Stadtrat den umstrittenen Werbespruch noch schmackhaft machen wollte. Es bleibt zu hoffen, dass die Würzburg AG die klaren Worte des Oberbürgermeisters („Angesichts der zu erwartenden angespannten Haushaltssituation in den kommenden Jahren werden wir sicher keine Investitionen auf Weltniveau für eine Image-Kampagne bereitstellen können.“) verstanden hat.

Venezia bleibt in der Spiegelstraße

Neben dem Aussehen des geplanten Neubaus eines Geschäfts- und Wohnhauses in der Spiegelstraße hat die Gemüter vor allem diese Frage bewegt: Was passiert mit dem Eiscafé Venezia? Nachdem wir gestern abend eine der vermutlich letzten Möglichkeiten genutzt hatten, im Garten des Venezia einen Erdbeerbecher zu genießen, haben wir nachgefragt – und erfreut gehört, dass das Eiscafé nur wenige Meter weiter in das vor einigen Tagen geschlossene Caffé etc. zieht. Da gibt es dann zwar leider keine Terrasse, aber das Eis wird hoffentlich weiterhin so gut schmecken.

Die Provinz lässt grüßen

Lange nichts gehört von der Provinz auf Weltniveau. Da kommt die Pressemeldung von jovoto gerade recht. Auf jener Internetplattform hatte die Würzburg AG einen Ideenwettbewerb ausgerufen für eine Image-Werbekampagne für die Stadt. Die besten Arbeiten sollen dem Würzburger Stadtrat am 31. Juli im Vogel Convention Center vorgestellt werden, und der soll dann entscheiden, ob Ideen oder Ansätze in das Würzburger Stadtmarketing-Konzept übernommen werden.

Und dann noch ein Buchtip zum Thema: Das „Provinzlexkion“ von Henning Ahrens liefert „alles, was Sie schon immer über die Provinz wissen wollten, in genau 274 Stichworten“ und ist „ein Lese-, Entdeckungs- und Erinnerungsbuch für die vom Land und die aus der Stadt. Denn Provinz ist nicht nur ein Ort, sondern auch eine Haltung.“

Aus Leighton soll Hubland werden

Über diese Entscheidung kann man nur froh sein. Eine Projektgruppe aus Stadträten, Vertretern der Universität, Geschichtswerkstatt und Bürgervereinigung Frauenland sowie dem Stadtheimatpfleger Hans Steidle hat sich einstimmig auf einen Namen für das Gelände der ehemaligen Leighton Barracks geeinigt – und zwar Hubland, wie schon die alte Flurbezeichnung des Areals lautete. Damit sind solche Vorschläge wie Skyline, für die die meisten Leser der Main-Post bei einer Wahl gestimmt hatten, oder Männerland zum Glück vom Tisch. Endgültig wird der Stadtrat am 23. Juli über die Umbenennung entscheiden.

Raus in die weite Welt

Mit ihren Provinz-auf-Weltniveau-Slogan geht die Würzburg AG nun „aus der Stadt raus in die weite Welt“ – auch wenn es zunächst nur das weltweite Web ist. Unter jovoto.com, einer Internet-Plattform, bei der angeblich 3000 Kreative aus über 100 Ländern angemeldet sind, soll nun  d i e  Idee gefunden werden, wie eine Werbekampagne für die Stadt auszusehen hat. 5000 Euro an Preisgeldern sind ausgelobt, bis zum 12. Juni haben die Kreativen noch Zeit, eine laut Ausschreibung „360° Kampagne zur unverwechselbaren Positionierung der Stadt Würzburg“ zu konzipieren. Die besten Konzepte will man anschließend dem Stadtrat vorlegen. Der soll dann entscheiden, ob ihm eine solche Kampagne überhaupt Geld wert ist.

Seine Sicht der Dinge hat in der Main-Post der stadtbekannte Tilman kundgetan, der in der Wettbewerbsausschreibung über die „360-Grad-Kampagne“ gestolpert ist. „Das bedeute, dass im Prinzip der komplette Medienbereich abgedeckt wird, hab ich mir erklären lassen. Und ich hatte schon befürchtet, das sei eine Kampagne, bei der man nach einer 360-Grad-Drehung wieder da ist, wo man angefangen hat. Wie das halt so oft in Würzburg der Fall ist.“

Wer die komplette Ausschreibung einmal sehen möchte, braucht hier nur weiterzulesen.

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Viel Neues aus der Provinz

„Würzburg ist die perfekte Mischung aus Provinz und Großstadt, Bauernhof und Hochhaussiedlung.“ Nein, dieser Ausspruch stammt nicht von der Würzburg AG – würde den Erfindern und energischen Verfechtern des Werbeslogans „Würzburg. Provinz auf Weltniveau“ aber wohl gefallen. (Die Urheberrechte des Eingangssatzes gehören dem Filmemacher Oliver Kienle. Der gebürtige Dettelbacher und Diplomand der Filmakademie Ludwigsburg dreht hier ab Mitte April seinen Debütfilm, ein Jugend-Drama, und erklärte mit jenen Worten, warum seine Wahl auf Würzburg als Drehort gefallen ist.)

Nicht gefallen hat der Würzburg AG hingegen die Diskussion über ihren umstrittenen Werbeslogan, der eine „hitzige Debatte entfacht“ (Main-Post) hatte. Zudem seien die Ergebnisse einer Diskussionsrunde „einseitig dargestellt“ worden, woraufhin die Main-Post der Würzburg AG eine Zeitungsspalte Platz eingeräumt, in der diese nun unter anderem sagten, dass niemand der Kritiker sich die Mühe mache, das Konzept hinter dem Slogan genau anzuschauen – um gleich darauf selbstkritisch einzugestehen, das man eben dieses Konzept von Seiten der Würzburg AG bislang zu wenig kommuniziert habe.

Kommunizieren will die Würzburg AG nun aber. Nicht mit dem Würzburger Volk, sondern mit 2500 Kreativen beim Internet-Portal jovoto.de auf einem „radikal neuen Weg der Ideenkreation“ (Eigenwerbung jovoto). „Ein Spruch wie ,Provinz auf Weltniveau‘ ist da ein Türöffner“, glaubt die Würzburg AG. Als Nachweis führt sie den – na, mal ehrlich: in die Hose gegangenen – bei jovoto.de veranstalteten Logowettbewerb für den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier an.

Überhaupt nicht gefallen wird der Würzburg AG wahrscheinlich das Vorpreschen der Würzburger Werbeagentur Gerryland, die auf einer viertelseitigen Anzeige in der Main-Post vom Samstag schreibt „Wir können das Wort ,Provinz‘ nicht mehr hören“ und mit „Würzburg. Wissen, Wein und Weltkultur“ nun ihrerseits einen Sloganvorschlag für Würzburg präsentiert.

Braucht Würzburg einen Slogan?

Dabei hatte der Würzburger Kabarettist Frank-Markus Barwasser doch bereits alles gesagt, was dazu zu sagen ist: „Ich find’s nicht provokant, ich find’s nicht originell, ich find’s auch nicht ironisch. Ich find’s einfach nur bescheuert”, äußerte er sich zum umstrittenen Werbeslogan „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“ in einem Interview mit der Main-Post

Dieser Tage kamen nun Vertreter von Stadt, Landkreis, Wirtschaft, Tourismus und Gastonomie bei einem Business Campus (Geht das eigentlich auch auf Deutsch?) zu einem ähnlichen Ergebnis, wenngleich sie mit  „inakzeptabel“, „erklärungsbedürftig“ und „geschäftsschädigend“ andere wertende Worte wählten. Der Vertreter der ideenreichen Werbeagentur machte hingegen eine „einseitige Stimmungsmache“ gegen den „Hammer-Slogan“ aus. Der müsse ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber bislang sei noch nichts besseres gekommen. 

Das sah wohl die Runde genauso, fand zwar auch nicht sogleich die werbenden Worte, aber einen Ausweg gemäß der bewährten Formel „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis.“ Dieser neuformierte Arbeitskreis sieht seine Aufgabe nun darin, „zu retten, was zu retten ist“. Vielleicht stellt er sich auch einmal die Frage, ob Würzburg überhaupt einen Werbeslogan braucht.