Ein Plädoyer für die Altstadt

Ein engagiertes wie auch fundiertes Plädoyer für den Erhalt des ehemaligen Mozart-Gymnasiums hat Hans Steidle in Buchform vorgelegt. „Ich möchte eine gründlichere Diskussion in der Stadt, damit man das frühere Mozart-Gymnasium nicht erst abreißt und hinterher sagt: Wenn wir das alles vorher gewusst hätten, hätten wir es stehen lassen“.

Die Fakten und Hintergründe zum Mozart-Areal trägt Steidle auf über 160 Seiten zusammen. Mit „Vom Kaiserhof zum Konsumtempel. Eingriffe in die Würzburger Altstadt“, erschienen im Echter Verlag (ISBN 978-3-429-03068-1, 14,80 Euro), legt der promovierte Historiker und Lehrer am Mozart- und Schönborn-Gymnasium ein außerordentlich wichtiges Buch vor. Denn es bietet neben der Diskussion um das Mozart-Areal auch grundsätzliche Denkanstöße und Kriterien für die künftige Innenstadtgestaltung. In diesem Rahmen analysiert Steidle die beiden gescheiterten Versuche, am Bahnhof und auf dem Mozart-Areal große Einkaufszentren in der Innenstadt zu errichten, und er findet und lobt ansprechende Beispiele gelungener Stadtarchitektur in Würzburg.

Steidles Hauptaugenmerk aber gilt dem Mozart-Areal. Aus der mehr als 600 Jahre langen Baugeschichte des Geländes zwischen Hofstraße, Maxstraße, Residenzplatz und Theaterstraße leitet er schließlich seine Forderung ab: Weil die Würzburger Altstadt mit ihren Baudenkmälern und Kunstwerken sowie den wirtschaftlichen und administrativen Institutionen für das Erscheinungsbild, das Profil und die Identität der Stadt eine besondere Bedeutung besäße, müssten alle Projekte, die auf die Altstadt bezogen sind, besonders Rücksicht auf das historische Erbe und die Identität der Stadt legen.

Für Hans Steidle wird die Stadt Würzburg „dem Anspruch einer Kulturstadt nur gerecht, wenn sie die Belange des Denkmalschutzes seriös berücksichtigt“. Durch die Privatisierung des Mozart-Areals würde die Stadt ihre Handlungs- und Gestaltungsfreiheit, aber auch die Bewegungs- und Handlungsfreiheit ihrer Bürgerschaft einengen. „Oft sehen sich Lokalpolitiker wie in Würzburg unter Handlungsdruck und glauben den Versprechungen von steigendem Umsatz, der Revitalisierung der Innenstädte und den sich vermehrenden Arbeitsplätzen“, schreibt Steidle. Und: „Die Einstimmigkeit, in der der Abriss der vohandenen Baulichkeiten des ehemaligen Mozartgymnasiums beschlossen wurde, lässt den Eindruck entstehen, dass ein durchdachtes urbanes Konzept vorliege. Dem ist jedoch nicht so.“ Stattdessen verstärkt sich ihm der Eindruck von „unkoordinierten Ideen und Projekten“, die sich für die Altstadt als negativ erweisen würden.

Letztendlich hofft der Autor, mit seinen Vorschlägen und Überlegungen zu einer Nutzung des Mozart-Areals beizutragen, „die dem Namen des genialen Musikers etwas mehr verpflichtet ist als eine reine Kommerzialisierung“.

1 Kommentar zu „Ein Plädoyer für die Altstadt“

  1. [...] war auch das geplante Einkaufszentrum auf dem Mozart-Areal  (Hintergründe sind hier nachzulesen) zur Sprache gekommen. Von Stadtbaurat Christian Baumgart war dort noch zu vernehmen, [...]

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